Die richtige NAS Festplatte

Die richtige NAS Festplatte für ein Eigenbau NAS zu finden ist nicht so einfach wie es auf den ersten Blick scheint. Alle Modelle haben Vor- und Nachteile und je nach Einsatzzweck ist eine NAS Festplatte gar nicht das richtige für Sie. Auch Desktop Festplatten oder NAS Pro Festplatten kommen in Frage. Für Server Barebones und dedizierte NAS Server gilt an dieser Stelle natürlich das Gleiche. Dieser Artikel erklärt, welche Typen von Festplatten es gibt und wann welche Festplatte die richtige für Ihr NAS ist.

Es ist wichtig, dass Sie sich bewusst für die richtige NAS Festplatte entscheiden. Völlig unabhängig davon, welche Festplatte gerade die objektiv beste ist. Auch die allerbeste Festplatte nützt ihnen nichts, wenn Sie für ihren Einsatzzweck nicht geeignet ist.

Die richtige NAS Festplatte im Quadrant

Vor der ausführlichen Beschreibung gibt Ihnen der folgende Quadrant eine erste grobe Übersicht darüber, welche Festplatten in welchem Szenario die richtigen sind:

Die richtige NAS Festplatte im Quadrant

Die richtige NAS Festplatte im Quadrant

Szenarien

Abhängig von Ihrem Einsatzszenario sind folgende Festplatten für Sie die richtigen. An dieser Stelle befindet sich die kurze Zusammenfassung. Für alle Details sind die entsprechenden Fachartikel verlinkt.

Einsatz von JBOD, RAID 0 oder ohne RAID (Striping oder kein RAID)

Das einfachste Einsatzszenario geht davon aus, dass Sie in Ihrem NAS kein RAID einsetzen möchten, oder maximal ein RAID 0 (Striping). Soll Ihr NAS im Durchschnitt weniger als 8 Stunden pro Tag laufen, dann ist die richtige NAS Festplatte für Sie eine Desktop Festplatte (Seagate Barracuda, Western Digital Blue oder HGST Deskstar). Soll Ihr NAS dagegen rund um die Uhr laufen, dann ist die Profi Desktop Festplatte Seagate Barracuda Pro für Sie die richtige Wahl.

Alle Details und die Begründung zu dieser Empfehlung finden Sie im Artikel: Desktop Festplatte im Detail.

Profi Desktop Festplatte: Seagate Barracuda Pro

Profi Desktop Festplatte: Seagate Barracuda Pro

Einsatz von Mirroring (auch mit Striping) – RAID 1, 10, 0+1

In NAS Systemen, die auf Mirroring (auch mit Striping) setzen, also die RAID Level 1, 10 oder 0+1 benutzen und rund um die Uhr laufen, entfalten die typischen NAS Festplatten ihre große Stärke. Die richtige NAS Festplatte ist für Sie daher auch meist eine spezialisierte NAS Festplatte wie die Western Digital Red, die Seagate Ironwolf oder die HGST Deskstar NAS. Sollten Sie mehr als 8 Festplatten im Gehäuse benötigen, dann sind Sie bei den NAS Pro Festplatten richtig.

Es ist nicht ideal, ein solches System mehrmals täglich hoch- und runter zu fahren. Sollten Sie dennoch ein Mirroring System bauen, dass im Schnitt weniger als 8 Stunden läuft, dann gibt es keine ideale Festplatte. Sie können NAS Festplatten nehmen, die allerdings das ständige hoch- und runterfahren nicht mögen. Oder sie können Profi Desktop Festplatten nehmen, deren Firmware nicht ideal für Mirroring ausgelegt ist. Fazit: Für durchschnittlich 8 stündigen Betrieb und Einsatz von Mirroring gibt es keine ideale Platte.

Alle Details zu dieser Empfehlung finde Sie hier:

NAS Festplatte: HGST Deskstar NAS

NAS Festplatte: HGST Deskstar NAS

Einsatz von Parity – RAID 5 (und 6)

Parity ist das technisch heikelste RAID Prinzip, auch wenn es mit RAID 5 eine günstige Wahl darstellen kann. An die richtige NAS Festplatte in einem System das auf Parity setzt, werden besondere Ansprüche gestellt. Im Mittelpunkt steht hier die Rate an Nicht-Behebbaren Fehlern. Auf Grund dieses RAID 5 Problems empfehle ich für den Einsatz in einem Eigenbau NAS mit Parity ausschließlich Festplatten mit einer Fehlerrate von 1 in 10^15 oder besser. Diese sind (für den Dauerbetrieb):

Eine nicht ganz so gute Idee ist es, ein Parity NAS täglich hoch- und runter zu fahren. Das mögen die Hochleistungsplatten nicht. Falls Sie sowas allerdings dennoch machen möchten, dann sind die am wenigsten ungeeigneten Platten die Seagate Barracuda Pro und die Seagate Ironwolf mit 6TB oder größer.

NAS Festplatte: Seagate Ironwolf

NAS Festplatte: Seagate Ironwolf

Weiterführende Informationen

Details zu allen Festplattentypen

Die ausführlichen Details zu allen hier ausgesprochenen Empfehlungen finden Sie hier:

Marktübersicht

Aktuelle Modelle, Verfügbarkeiten und Preise finden Sie in der NAS Festplatten: Marktübersicht.

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Kommentare (12) Schreibe einen Kommentar

    • Hi Geny,

      schön mal wieder von dir zu hören!

      Ja – das mit den Festplatten weiß ich… momentan sind allerdings noch beide erhältlich. Daher habe ich den Artikel bisher nicht angepasst. Nach wie vor sind beides Platten, die gut geeignet sind. Sollte sich daran etwas wesentliches ändern, dann aktualisiere ich natürlich auch den Artikel.

      Grüße
      Kai

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  1. Sieht so aus, als würde es die im Text erwähnte Seite pc-selber-zusammenstellen.eu inzwischen nicht mehr geben.

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  2. Super Blog!

    Hat mir viele wichtige Informationen geliefert, die ich sonst im Internet nirgends so einfach erklärt finden konnte.
    Trotzdem konnte mir eine Frage noch nicht beantwortet werden – und zwar, was ist wenn meine Festplatten in meinem NAS (DS-211j) nach 30 Minuten in den Ruhezustand gehen? Sind sie dann noch im Einsatz oder nicht? Also wenn ich meinen NAS 16 Std. am Tag laufen lasse und die Festplatten nahezu immer im Ruhemodus sind machen doch nur Desktop-Festplatten Sinn, richtig?

    MfG
    Max

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    • Hi Max,

      danke für das Lob! 🙂

      Ich muss ehrlich sagen, dass ich da selbst noch nicht ganz schlüssig bin. In einer DS213+ hatte ich 3 Jahre lang WD RED Platten drin – und hatte das NAS auch meistens nachts automatisch runtergefahren und dazwischen im Ruhezustand. Nach 2 Jahren ging der „Reconnection Count“ der Festplatten von 0 auf 5 (pro Monat) hoch. Das ist zwar nicht dramatisch oder kritisch, aber ich vertraue den Platten nicht mehr so richtig.

      Mit Desktop-Platten im NAS habe ich das allerdings noch nicht ausprobiert. Momentan habe ich gerade eine HGST Deskstar NAS im „Langzeittest“.

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      • Hallo nochmal 😉

        Der Ruhemodus hatte sich vermutlich ein wenig verspätet, auf jeden Fall kann ich die Festplatten momentan nicht mehr hören und fühlen. Daher kann ich ja jetzt davon ausgehen das die Platten im Ruhemodus nicht im Einsatz sind?! Also wären Desktop-Festplatten in meinem Fall doch am Angebrachtesten?

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  3. Hallo 🙂

    Danke für diesen gut erklärenden Artikel!
    Eine Frage habe ich jedoch … Du schreibst „Auf Grund der nicht behebbaren Fehlerrate würde ich diese Festplatten (und die Energiespar- und Desktop-Platten sowieso) nicht in einem RAID5-System einsetzen. Für andere RAID-Level sind sie jedoch geeignet.“
    Nun habe ich ein Raid-5 System mit 4 Platten. Welchen Festplattentyp würdest du den jetzt dafür empfehlen?

    LG Martin

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    • Hi Martin!

      Mal abgesehen davon, dass ich in einem privaten NAS gar kein RAID einsetzen würde (denn es verbessert vor allem die Wiederherstellungszeit von Daten, nur wenig die Datensicherheit – siehe: https://nas-selber-bauen.de/raid-vs-backup/), würde ich kein RAID 5 mit NAS Festplatten auf Grund des RAID5 Problems verwenden. Das Problem ist nicht so dramatisch, wenn du ein Software-RAID einsetzt, bei einem Hardware-RAID kann es jedoch doof werden. Eine Alternative mit 4 Festplatten wäre ein RAID6 auf Grund seiner doppelten Parität. Aber nochmal: Ein RAID (größer 0) benötigt man nur, um eine möglichst kurze Wiederherstellungszeit bei einem Hardwaredefekt einer Festplatte zu haben. Ein RAID ersetzt kein Backup. Niemals! 🙂

      Viele Grüße
      Kai

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      • Hallo Kai,

        danke für deine Ausführungen!
        Also das NAS ist Teils privat, teils dienstlich. Auf dem NAS sichere ich meine privaten Fotos, Musik, und halt andere Daten. Es ist in erster Linie als Multimediazuspieler für alle anderen Geräte im Haus gedacht. Zudem ist es ganz nett auf einem Netzwerklaufwerk Daten zwischen den Geräten austauschen zu können.
        Dienstlich sichere ich dort abgespeckt fertige Kundenprojekte, diese liegen aber zusätzlich auch noch auf einer eigenen externen Festplatte.
        Das NAS sichere ich zweimal die Woche auf eine externe Festplatte. Und drei- bis viermal im Jahr dann noch auf eine externe die ich außer Haus deponiere.
        Nun scheint die erste externe defekt zu sein und ich war eben auf der Suche nach einer neue Festplatte. In diesem Zuge habe ich überlegt die 1TB Platten im NAS demnächst gegen größere Platten auszutauschen, das war auch der Grund warum ich hier gelandet bin 🙂
        Da ich ein gebranntes Kind bin, habe ich das NAS eben als RAID5 zu laufen um quasi gar nicht erst alles wieder über die externe auf das RAID spielen zu müssen … wenig sinnvoll in deinen Augen?
        Nun aber wieder zu der Ausgangsfrage … welche Festplatten in das NAS?
        Welche würdest du Momentan empfehlen? Auch gerne eine Empfehlung für die externe HDD 🙂

        Vielen Dank!
        Martin

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        • Hi Martin,

          na wenn du unbedingt ein RAID5 haben möchtest… 😉

          Der Schwachpunkt der normalen Festplatten in einem RAID5-Verbund sind die „Nicht korrigierbaren Lesefehler pro gelesenem Bit“ („non-recoverable Error Rate per bits read“). Die sind bei normalen NAS- oder Desktop-Festplatten <1 in 10^14. Um auf Nummer sicher zu gehen benötigst du Platten, die eine geringere Fehlerrate haben (<1 in 10^15). Davon gibt es momentan 2 Modelle: Die HGST Ultrastar 7K6000 Serie (Datenblatt (PDF)) und die Seagate IronWolf Pro Serie (Datenblatt (PDF)). Die Western Digital Red Pro bringen dich an der Stelle nicht weiter, weil ihre Fehlerrate nur <10 in 10^15 ist (siehe: Datenblatt (PDF)).

          Bezüglich dieser Berechnung bist du mit den beiden genannten Modellen im grünen Bereich. Allerdings sind diese Platten nicht gerade billig. Andere Autoren sind auch der Meinung, dass dieses Problem nicht so dramatisch ist – hier musst du selbst abwägen in welchem Verhältnis Datensicherheit und Preis für dich stehen.

          Viele Grüße
          Kai

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          • Hallo Kai!

            Na gut, na gut, also kein RAID5 bei der Erweiterung 😉 Meine doppelte Sicherung sollte ja reichen. Ich überlege auch schon eine Online-Geschichte via Backlblaze oder dergleichen zu machen. Obwohl ich ja jetzt schon Speicherplatz gewinne 🙂
            Auf welche Platten würdest du denn sonst verweisen, wenn ich nicht auf die Fehlerrate achten muss?

            Viele danke und viele Grüße
            Martin

          • Hi Martin,

            die Geschichte mit dem Cloud-Backup muss ich mir auch mal bei Gelegenheit ansehen. Sobald ich das ausprobiert habe schreibe ich auch einen Artikel darüber. Bisher habe ich noch keine Erfahrung damit.

            Was die Platten angeht: Wenn dein System rund um die Uhr läuft, dann NAS-Platten. Wenn du es täglich rauf und runter fährst (und es im Schnitt nicht länger als 8 Stunden läuft) dann Desktop-Platten. Bei mir laufen momentan gleichzeitig die Western Digital RED, die Seagate Ironwolf, die HGST Deskstar NAS und eine alte Seagate Desktop NAS HDD in diversen Systemen. Qualitativ ist es ziemlich egal was du nimmst. Du kannst mit jeder Marke Glück oder Pech haben. Objektiv sind die HGST-Platten meist die besten (siehe Die beste NAS Festplatte), allerdings sind es auch die lautesten. Steht dein NAS neben deinem Schreibtisch, fängt das irgendwann an zu nerven. Steht es im Keller, ist es egal. Die WD Red sind am leisesten, die Seagate irgendwo in der Mitte.

            Mein grundsätzliches Backup-Konzept habe ich in diesem Artikel beschrieben. Die dort erwähnte DS115 habe ich nicht mehr, weil sie dieses Jahr den Geist aufgegeben hat. An ihrer Stelle sitzt jetzt eine DS216+II mit 2*3TByte NAS-Platten (IronWolf + HGST) – ohne RAID. Das Setup hat dazu geführt, dass ich trotz Totalverlust eines NAS nicht eine Datei verloren habe. In sofern bin ich mit dem Aufbau wirklich zufrieden und kann ihn weiterempfehlen. 🙂

            Viele Grüße
            Kai

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