Günstiges NAS als Bauvorschlag

Ein günstiger, aber dennoch professioneller Bauvorschlag der alle wesentlichen Anforderungen erfüllt, aber auf die mittlerweile „alte“ Lynx Point Plattform für Haswell Prozessoren aufsetzt. Das ist eine bewährte und mittlerweile auch günstige Plattform. Wer dennoch ein System für die neuen Skylake-Prozessoren sucht, findet den Nachfolger dieses Bauvorschlags hier: Hochwertiges NAS auf Skylake Basis.

Konzept

  • Hochwertiges Mainboard
  • Kompaktes Gehäuse
  • ECC-Speicher
  • NAS-taugliche Festplatten
  • Geeignet für den 24/7-Betrieb

Bauteile

 

Gehäuse

Als Gehäuse schlage ich das Fractal Design Node 304 Mini-ITX-Gehäuse vor. Es ist ein kompaktes Gehäuse, das Platz für bis zu 6 3,5″ oder 2,5″-Laufwerken bietet. Damit ist genug Platz für ein NAS vorhanden. Weiterhin befinden sich 3 Lüfter bereits im Lieferumfang, was bedeutet, dass für genügend Frischluft gesorgt ist, wenn viele Festplatten eingebaut sind. Zum Schluss gefällt mir das Detail, dass das Gehäuse zwei USB 3.0-Anschlüsse nach außen führt – das ermöglicht einen flotten Datenaustausch mit der Außenwelt.

Fractal Design Node 304 (Bildquelle: Fractal Design)

Fractal Design Node 304 (Bildquelle: Fractal Design)

Mehr Details zu diesem Gehäuse finden Sie hier: NAS Gehäuse

Mainboard

Das Mainboard ist das P9D-I (Mini-ITX) von Asus. Es nimmt Xeon-Prozessoren der E3-1200 v3-Familie genauso auf wie Core i3, Pentium und Celeron-Prozessoren. Damit bietet das Board die Flexibilität, die Rechenleistung des Systems an die eigenen Bedürfnissen anzupassen. Das Board hat 2 Slots für DDR3 1600 oder 1333 DIMMs mit ECC-Unterstützung. ECC halte ich für wichtig, wenn das NAS wirklich verläßlich sein soll (siehe auch hier: ECC RAM im NAS?). Onboard bietet die Platine 4 SATA-Anschlüsse (2x SATA 6Gb/s, 2x SATA 3Gb/s). Für Festplatten reichen die 3 Gb/s-Ports allemal, wer allerdings mehr als 4 Laufwerke benötigt muss den PCI-E-Slot für einen weiteren SATA-Controller nutzen. Eine zusätzliche Grafikkarte braucht ein reines NAS nicht – hier genügt der verbaute Aspeed-Grafikchip.

Alternative Mainboards und eine größere Auswahl beschreibt dieser Artikel: NAS Mainboards

CPU

Für das günstige NAS empfehle ich auch eine günstige CPU – in diesem Fall den Intel Pentium G3240. Der hat zwar nicht sehr viel Rechenleistung, aber das genügt für ein NAS. Wichtig ist, dass die CPU ebenfalls, wie das Board, ECC-Speicher unterstützt – was auf diese CPU zutrifft. Siehe dazu auch das Datenblatt von Intel. Genügt diese CPU für Ihre Ansprüche nicht, dann können Sie auch eine stärke CPU wie den Core i3 oder Xeon-Prozessor einsetzen.

Weitere CPUs inkl. dem Vergleich ihrer Leistung und Energieeffizienz finden Sie hier: NAS CPUs

Arbeitsspeicher

Als Arbeitsspeicher empfehle ich 4 GByte DDR 1600 ECC-RAM. Bevor Sie den Speicher – oder auch irgend einen anderen Speicher für einen PC, einen Server oder ein NAS kaufen, schauen Sie jeweils in die aktuelle Hardware Kompatibilitätsliste Ihres Mainboards! Für das oben genannte Board befindet sich diese Liste bei Asus. Erfahrungsgemäß funktionieren zwar mehr als die dort angegebenen Module, wer allerdings ganz sicher gehen möchte, hält sich an diese Liste.

USB-Stick

Ich finde es immer gut, wenn das Betriebssystem unabhängig von den Daten residiert, daher habe ich einen hochwertigen USB3.0-Stick in den Bauvorschlag aufgenommen. Dieser Stick ist technisch wie eine SSD aufgebaut und unterstützt daher sehr viele Schreibvorgänge. Der Einsatz dieses Sticks ist optional – das System funktioniert auch ohne ihn. In diesem Fall könnte man das Betriebssystem zum Beispiel auf einer Partition der beiden Festplatten installieren.

Festplatten

Als Massenspeicher kommen NAS Festplatten zum Einsatz. Diese Platten sind geeignet für NAS-Systeme bis 8 Platten im Gehäuse, die rund um die Uhr laufen. Falls das NAS im Schnitt weniger als 10 Stunden pro Tag laufen soll, dann ist auch eine Desktop- oder Energiesparplatte eine gangbare Alternative. Mehr Informationen zu NAS Festplatten finden Sie im Artikel Die richtige Festplatte.

Weitere mögliche NAS-Festplatten zeigt die folgende Übersicht:

Und einen Überblick über alle möglichen Festplatten liefert die NAS Festplatten: Marktübersicht.

Netzteil

Das Netzteil soll vor allem sparsam und leise seinen Dienst verrichten. Daher ist es wichtig, dass es nicht überdimensioniert ist und einen hohen Wirkungsgrad hat. Eines der besten, die ich gefunden habe, ist das Seasonic G-360. Es ist 80 Plus Gold zertifiziert und hat damit eine hohe Energieeffizienz. Weiterhin gibt der Hersteller eine Lebenserwartung von 100.000 Stunden an, was in einem 24/7-Betrieb etwas über 11 Jahre entspricht. Mit seinen 4 SATA-Anschlüssen ist es der ideale Partner für das oben genannte Mainboard.

Einsatzzweck

Als Betriebssystem schlage ich für das Selbstbau-System eine NAS-Distribution oder ein Server-Betriebssystem vor. Damit ist das System vor allem für folgende Einsatzzwecke gut geeignet:

  • Fileserver (Samba)
  • Webserver (Apache, NGINX, etc.)
  • Datenbankserver (MySQL, MariaDB, PostgreSQL, etc.)
  • DLNA-Medienserver (ReadyMedia, etc.)
  • Versionsverwaltungsserver (Subversion, GIT, etc.)
  • Dateisynchronisation (Seacloud, OwnCloud, Bittorrent Sync, etc.)
  • Kalender- /Adresserver (Baikal, Radicale, OwnCloud, etc.)
  • Groupware-Server (Kolab, Zarafa, Zimbra, Open-X-Change, etc.)
  • Mailserver (Postfix, Dovecot, etc.)

Nicht geeignet ist das NAS für den Einsatz direkt am Fernseher – denn sowohl die onboard-Grafik des Mainboards, als auch der Prozessor sind nicht stark genug um Videos am Fernseher wieder zu geben.

Varianten und Alternativen

  • Es können natürlich noch mehr (oder weniger) Festplatten als die beiden vorgeschlagenen angeschlossen werden – das kommt ganz darauf an, wie viel Platz auf dem NAS gebraucht wird oder welches RAID-Level gefahren werden soll.
  • Der Pentium G3220 ist ein sehr stromsparender, aber auch langsamer Prozessor. Für ein NAS ohne große Last – also in einem Privathaushalt mit maximal 10 Nutzern – reicht er völlig aus. Falls das NAS allerdings auch „größere“ Aufgaben erfüllen soll – wie zum Beispiel als Server für virtuelle Maschinen dienen, dann muss es ein Core i3 – oder sogar schon ein Xeon-Prozessor sein. In diesem Fall werden auch mehr als die vorgeschlagenen 4 GByte Arbeitsspeicher benötigt. Für ein System, das virtuelle Maschinen laufen lassen soll, fängt man mit 8 GByte RAM an – und mehr ist immer besser.

Weitere Bauvorschläge

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Kommentare (10) Schreibe einen Kommentar

  1. Auf der SSD sind doch nur das Betriebssystem und die Server-Programme (z.B. Samba-Server-Installation), während die Nutzdaten (z.B. gesicherte Dateien) auf den Magnetplatten sind. Das Betriebssystem und die Server-Programme werden doch (einmalig) beim Booten ins RAM geladen, was bei einer NAS im Dauerbetrieb nicht oft ist.

    Bringt eine SSD deshalb wirklich eine spürbare Beschleunigung beim Einsatz in einem NAS? Auf einem Desktop-PC startet man typischerweise öfters neue Programme (z.B. Browser, dann Textverarbeitung), und wenn diese Programme dank SSD schnell geladen werden ist das schon ein Geschwindigkeitsvorteil den man bemerkt. Die SSD im NAS beschleunigt doch nur den seltenen Bootvorgang.

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    • Du hast recht – der Geschwindigkeitsgewinn ist sicherlich nicht so hoch wie bei einem Desktop-Rechner. Dennoch startet das gesamte System schneller, was bei einem NAS, das rund um die Uhr läuft aber auch kein entscheidender UseCase ist.

      Was mir an der Lösung neben dem reinen Geschwindigkeitsgewinn aber auch noch gefällt, ist, dass das Betriebssystem nicht auf den Datenplatten liegt. Dadurch können System, bzw. Daten unabhängig voneinander ausgetauscht werden.

      Dafür benötigt man allerdings auch nicht unbedingt eine SSD. Eine Variante wäre auch, das System auf einem USB-Stick zu installieren. Dann hätte man einen weiteren SATA-Port zur Verfügung und könnte insgesamt 4 Platten in das System einbauen.

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  2. Danke für die schnelle Antwort.

    Kann es übrigens sein, dass die Zeitzone für diesen Blog irgendwie nicht richtig eingestellt ist? Als Uhrzeit für Deine Antwort wird „15:54 Uhr“ angezeigt, aber es ist erst 15:33 (Zeitzone Deutschland/Berlin). Es sieht für mich also so aus, als würde die „Blogzeit“ eine Stunde vorgehen.

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    • Kein Problem – gerne.

      Ja, die Serverzeit stimmt nicht, das ist mir auch schon aufgefallen. Da das Blog hier auf einem SharedHosting-Paket liegt, habe ich darauf allerdings keinen Einfluss – weder kann ich den Server konfigurieren, noch die anderen Konfigurationen ändern. Da ich also eh‘ nicht viel tun kann, habe ich das Thema als „nicht besonders wichtig“ eingestuft.

      Antworten

    • Hi!

      Sorry, ich kann keine genauen Angaben zum Stromverbrauch machen. Erstens kommt das immer auf die jeweilige genaue Ausbaustufe des Systems an und zweitens ist mein Messgerät Mist. Ich brauch‘ mal ein neues 😉

      Allerdings würde ich vom Gefühl her sagen, dass dieses System nicht auf minimalen Stromverbrauch ausgelegt ist. Wenn du wirklich das letzte an minimalem Stromverbrauch rausholen möchtest, dann ist das Mini-NAS vielleicht was für dich. Dieses Teil braucht maximal 10 Watt (mehr gibt das Netzteil gar nicht her). Und ansonsten ist es im Hinblick auf den Stromverbrauch wahrscheinlich sinnvoller ein spezialisiertes System zu nehmen wie die Synology Diskstation. Denn dort ist nur die Hardware drin, die man unbedingt braucht für ein NAS. Der Bauvorschlag hier gleicht eher einem universellem System – und das braucht naturgemäß mehr Strom als ein spezialisiertes System.

      Aber ich nehme deinen Vorschlag mal auf und denke drüber nach, ein NAS zusammenzustellen, das besonders auf Energiesparen ausgelegt ist. Mal schauen ob das möglich ist.

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  3. Hallo Kai,

    vielen Dank für den guten Artikel! Ich finde Deine Komponentenauswahl bereits sehr gut, hätte aber noch zwei Diskussionspunkte:

    CPU
    Für die CPU würde ich vorschlagen anstatt eines Pentium G3220 mit 53W TDP ein Modell mit 35W TDP zu wählen. Dieser kann ggf. passiv gekühlt werden, sollte z.B. im Falle des G3460T nicht viel weniger Leistung haben und kostet nur etwa 20€ mehr.

    Mainboard
    Als Mainboard könnte man auch ein ASRock C226M WS wählen. Dieses ist dem Asus P9D-I in sofern überlegen, als dass es anstatt eines C222 über einen C226 Chipsatz verfügt welcher nativ 6xSata III statt 2x Sata III+4x Sata II Anschlüsse bietet. Darüber hinaus verfügt es über 4 statt 2 RAM Bänke und sollte auch zwischen 170-180€ zu bekommen sein.

    Was denkst Du?

    Grüße

    Antworten

  4. Ich halte es für bedenklich, die Systemdaten auf einer ungespiegelten Platte oder gar einem USB-Stick zu legen. Fällte die Systemplatte aus, ist das ganze NAS offline, bis man eine (hoffentlich aktuelle) Sicherung der Konfiguration wiederherstellt. Für den professionellen Einsatz undenkbar. Zum Basteln privat evtl. brauchbar, dafür gibt es aber fertige NAS Lösungen, die deutlich günstiger zu haben sind.

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    • Hi Michael,

      es kommt immer auf deine Anforderung an. Wenn deine Anforderung die ununterbrochene Verfügbarkeit von Daten ist, dann hast du natürlich recht. Dieser Vorschlag hier fokussiert jedoch den Privatmenschen – hier ging ich davon aus, dass eine monetäre Ersparnis schwerer wiegt als die permanente Verfügbarkeit. Für den Privatmenschen habe ich die Datensicherheit (in Form von: Die Daten sollten bei einem Hardwareausfall nicht verloren gehen) höher gewichtet. Oder als Beispiel: Wenn ich auf meine Urlaubsfotos nicht rund um die Uhr zugreifen kann, dann ist das für mich kein Problem. Wenn sie dagegen komplett gelöscht wären, hätte ich ein Problem damit.

      Letztendlich muss das jeder für sich selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist – daher danke für deinen Hinweis!

      Beim professionellen Einsatz gelten andere Spielregeln – da hast du auch recht. Dieses Thema hatte ich kurz für Fotografen angeschnitten. Siehe hier: Das NAS für Fotografen. Das habe ich allerdings nur erwähnt, weil diese Konstellation auch für Hobby-Fotografen Sinn macht. Darüber hinaus möchte ich den professionellen Bereich hier absichtlich ausklammern. Ich möchte den vielen Unternehmensberatungen da draussen nicht ins Handwerk pfuschen 😉

      Antworten

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