Server Barebone, Selbstbau oder dediziertes NAS?

Server Barebone, Selbstbau oder doch ein dediziertes NAS? Der erfahrene Bastler steht bei diesem Thema häufig vor der Frage: Was ist das Richtige? Kaufe ich einen Server Barebone, baue ich das System komplett selbst oder kaufe ich ein dediziertes NAS? An dieser Stelle möchte ich kurz auf die Vor- und Nachteile dieser Lösungen eingehen. Als Gemeinsamkeit nehme ich an, dass das System über 6 TeraByte (als 2* 3 TB Platten) verfügt und eine brauchbare Leistung haben sollten – ich nehme also nicht die billigsten Systeme ihrer Klassen.

Die Kandidaten

Server Barebone

Der Vertreter der Server Barebones ist der HP Microserver Gen8. Das ist die aktuelle Generation des kleinen Barebones von HP. Er kommt mit Intel Celeron Prozessor, 4 GByte RAM und Platz für 4 Laufwerke. In der Zusammenstellung unten gehe ich allerdings nur von 2 Laufwerken aus.

Ein Mini Server: HP Microserver Gen8

Ein Mini Server: HP Microserver Gen8
Bildquelle: Amazon.de

 

Selbstbau-System

Als Selbstbau-Kandidat kommt das Mini ITX NAS für den Dauerbetrieb zum Einsatz. Dieses ist zwar etwas hochwertiger als die anderen Kandidaten, kann sich preislich allerdings dennoch sehen lassen.

NAS Selbstbau System

NAS Selbstbau System

 

Dediziertes NAS

Das dedizierte NAS wird vertreten durch eine aktuelle Synology Diskstation DS216+II. Rein von der Hardware ist dieses System an schwächsten ausgestattet (ebenfalls ein Celeron Prozessor, aber nur 1 GByte RAM), dafür ist es ein auf den Zweck „NAS“ hochspezialisiertes System.

Synology Diskstation DS216+II

Synology Diskstation DS216+II

 

Einsatzmöglichkeiten

Sowohl der selbstgebaute Server wie auch der Server Barebone sind universell einsetzbare Maschinen. Wer Windows Server auf den Rechnern nutzen möchte, installiert es, wer Linux haben möchte, kann auch das installieren und auch für spezialisierte NAS Distributionen eignen sich diese Kisten. Diese Flexibilität bietet eine Synology Diskstation nicht – sie läuft auf dem (zugegeben wirklich guten) DSM (für „Disk Station Manager“). Weitere Betriebssysteme sind nicht vorgesehen, allerdings lässt sich der Funktionsumfang der Diskstation gut mit Apps erweitern.

Server Barebone Selbstbau Dediziertes NAS
++ ++ o

Bedienkomfort

Der Bedienkomfort hängt bei den Selbstbau-Lösungen (Server Barebone und Bauvorschlag) vollständig davon ab, was man installiert. Es liegt also an der Kompetenz desjenigen, der die Systeme aufbaut, den Bedienkomfort zu ermöglichen – oder auch nicht. Bei der Synology kommt out-of-the-box die wirklich praktische Oberfläche des Diskstation Managers zum Einsatz, die direkt einen sehr hohen Bedienkomfort bietet.

Server Barebone Selbstbau Dediziertes NAS
o o ++

Erweiterbarkeit

Die Erweiterbarkeit des Systems ist beim dedizierten NAS Server naturgemäß relativ schlecht. Das System ist dafür gebaut, 2 Festplatten aufzunehmen und genau das kann es auch. Der Server Barebone lässt schon mehr Festplatten zu (insgesamt 4) und der Arbeitsspeicher lässt sich aufrüsten, falls die Ansprüche steigen. Am besten erweiterbar ist der Selbstbauvorschlag. Hier lässt sich nach Belieben alles hinzufügen, was man eventuell noch benötigen könnte: Mehr Platten, größerer Arbeitsspeicher, stärkere CPU, Erweiterungskarten, etc.

Server Barebone Selbstbau Dediziertes NAS
+ ++

Energieverbrauch

Ich habe den Energieverbrauch der Systeme nicht selbst gemessen, dennoch lassen sich die Relationen allein schon in der Dimensionierung der Netzteile ableiten. Der Selbstbau-Rechner kommt mit einem 360 Watt-Netzteil, der Microserver braucht ein 150 Watt-Netzteil und der NAS-Server begnügt sich mit einem kleinen 60 Watt-Netzteil.

Server Barebone Selbstbau Dediziertes NAS
o +

Komplexität beim Aufbau

Am schwersten ist natürlich der Selbstbau-Vorschlag aufzubauen – immerhin kommt dieser in Einzelteilen. Beim Server Barebone und beim dedizierten NAS Server müssen lediglich die Festplatten eingebaut werden. Der Aufbau gestaltet sich hier also sehr einfach, wobei der Einbau der Platten in eine Synology noch ein wenig einfacher ist (siehe hier).

Server Barebone Selbstbau Dediziertes NAS
+ ++

Preis

Die Preise für die hier gezeigte Hardware unterliegen täglichen Schwankungen. Daher aktualisieren sich die Preisboxen oben bei den Kandidaten auch mehrmals täglich selbst. Ich nehme aus diesem Grund auch keine Bewertung der Preise vor. Mal ist die eine Kombination günstiger, mal die andere.

Fazit

Merkmal Server Barebone Selbstbau Dediziertes NAS
Einsatzmöglichkeiten ++ ++ o
Bedienkomfort o o ++
Erweiterbarkeit + ++
Energieverbrauch o +
Komplexität beim Aufbau + ++

Aus dieser Tabelle geht hervor, dass es das richtige System allgemein gesprochen nicht gibt. Es kommt immer darauf an, zu welchem Zweck man ein System einsetzen möchte.

Braucht man wirklich nur NAS-Funktionalität, dann ist der dedizierte NAS Server eine ausgesprochen gute Wahl, denn sie bringt auch eine komfortable Oberfläche mit.

Will man etwas mehr selbst machen und benötigt zusätzlich Serverfunktionalitäten, dann ist der Server Barebone das richtige System, sofern man mit der schwachen CPU und den nur 4 Einbauschächten für Festplatten auskommt.

Möchte man die maximale Flexibilität oder braucht evtl. später auch mal stärkere CPUs oder viel mehr RAM, dann kommt nur der Selbstbau infrage. Zwar bietet das hier vorgestellte Board auch nur 4 SATA-Ports, aber die lassen sich im Zweifel mit einer Erweiterungskarte aufrüsten.

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Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

  1. Hi.
    Habe ein Heimnetzwerk mit Schrank im Keller. In dem Schrank befindet sich bisher nur das Patchpanel und der Switch (24 Ports).
    Doch ich verlange nach mehr. Es soll ein NAS werden, jedoch eines im 19″ Format. Gibt es da auch etwas für mich (bin weder Anfänger noch Experte).
    Zusammenbau, Anschluss und Einrichtung seh ich als kein Hindernis. doch bei Hardware bin ich eben nicht so bewandert.
    Es soll möglichst günstig sein, stromsparend und viel Platz (erweiterbar) haben.
    Ich habe von Backplanes gelesen, ist das was? Ich stelle mir das so vor wie ein Mehrfachstecker. Mehrere Platten an einem SATA-Anschluss?! Stimmt das?
    Solche Gehäuse haben oft Netzteil inclusive. Sind diese Stromsparend? Bin ich bei der Grösse des Mainboards beschränkt?

    Antworten

    • Hi!

      Zugegeben – ein NAS für einen 19″-Schrank habe ich selbst noch nicht gebaut. Wenn ich im professionellen Bereich unterwegs bin, dann werden dort normalerweise (fertige) SAN-Storages verwendet, weil NAS-Systeme in den Größenordnungen von Rechenzentren die ich kenne, immer ein wenig zu schwach auf der Brust sind.

      Falls du allerdings wirklich in deinem Hobbykeller einen 19″ Schrank hast und dort ein NAS einbauen möchtest, dann würde ich zu der Rack-Variante von Synology greifen. Die Palette beginnt dort bei der Synology RS815 für ca. 500-600,- EUR mit Platz für 4 Platten auf 1 HE. Zur Erhöhung der Kapazität um weitere 4 Platten kannst du eine RX415-Erweiterungseinheit dazu kaufen, die nochmals 1 HE einnimmt.

      Es gibt natürlich auch leere Servergehäuse, die du verwenden kannst um dort professionelle Boards (z.B. von Supermicro) einzubauen. Hier kann ich dir allerdings nicht aus Erfahrung berichten, weil ich das selbst noch nicht gemacht habe.

      Antworten

  2. Hallo,

    die Zusammenfassung der Ergebnisse unter „Fazit“ ist inkonsistent zu den Ergebnissen von „Energieverbrauch“

    Antworten

  3. Hi Kai,

    die Angaben zum Energieverbrauch sind natürlich Quatsch, anhand der Netzteilgröße kann man nicht auf den Verbrauch schließen, hier ist auch auf die Effizienz bei zu groß dimensionierten Netzteilen ein Thema.

    Was mir fehlt sind sowas wie Angaben zu Bootzeiten, die NAS für daheim läuft in der Regel nicht 24/7.

    Das Thema mit den 19″ Zoll Gehäusen finde ich übrigens ebenfalls sehr spannend, weil es kleinen Firmen und Hausbesitzern mit Netzwerkschränke (garnicht mal so unülbich) doch einige Informationen bieten könnte und ich denke, da sind wir uns einig, das es das beste Ergebniss hervorbringen kann (WOL).

    Sry für die Kritik, ich finde die Seite super, allerdings ist das ganze sehr Oberflächig was ich etwas schade finde.

    Antworten

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