NAS Mainboards

Das NAS Mainboard hat dieselbe Funktion wie ein „gewöhnliches“ Mainboard, in einem normalen Rechner auch: Es nimmt die CPU auf, beherbergt den Chipsatz und allerlei Co-Prozessoren wie LAN-Chips, zusätzliche SATA- oder Grafikprozessoren, etc. Darüber hinaus werden an das Mainboard die Laufwerke (per SATA oder M.2) angeschlossen und der Arbeitsspeicher (RAM) eingesteckt. Auch wenn es einem normalen PC-Mainboard sehr ähnlich ist, gelten für ein NAS Mainboard doch ein paar besondere Merkmale:

  • Ein NAS Mainboard sollte robust sein, da es im Zweifel rund um die Uhr läuft
  • Das Mainboard sollte, bei einem semi-professionen NAS, ECC RAM unterstützen, damit Fehler im RAM nicht die Daten beschädigen
  • Das NAS Mainboard sollte viele SATA-Ports für den Anschluss von Festplatten besitzen
  • Der Energieverbrauch sollte möglichst niedrig sein
  • Nicht wichtig für ein NAS Mainboard sind hingegen Dinge wie HD-Audio, mehrere Grafikkartenslots oder eine hohe Übertaktbarkeit

Gesockelte Mainboards

Wie ich schon bei den NAS CPUs geschrieben habe, kenne ich mich mit Intel CPUs und Chipsätzen bedeutend besser aus, als mit AMD-CPUs und Chipsätzen. Daher kann man mir an dieser Stelle vorwerfen, dass die Ausführungen hier sehr Intel-lastig sind. Das heißt allerdings nicht, dass AMD-Produkte schlecht sind – ich habe lediglich nicht besonders viel Erfahrung damit und kann sie daher nicht fundiert weiterempfehlen.

Server & Workstation Boards als NAS Mainboard

Für ein semi-professionelles, selbst gebautes NAS bieten sich vor allem die kleinen Server- und Workstation Boards für Intel-Prozessoren an. Diese Boards nutzen die C222, C224 oder C226-Chipsätze in der Haswell-Generation sowie die C232 und C236-Chipsätze in der Skylake, bzw. Kaby Lake Generation. Normalerweise werden diese Boards für zuverlässige Server oder robuste Workstations eingesetzt. Diese Boards können keine CPU übertakten und haben auch keine besonderen Multimedia-Fähigkeiten. Dafür kommen sie mit robusten Bauteilen und unterstützen ECC RAM, was sie zu guten Kandidaten für ein semi-professionelles NAS macht.

Alle Mainboards der C2xx-Serie unterstützen Xeon-CPUs und ECC RAM. Mit anderen NAS CPUs und der ECC Unterstützung ist es jedoch ein wenig komplizierter. Die folgende Tabelle zeigt die Zusammenhänge:

C22x Boards C23x Boards
Haswell Celeron, Pentium, Core i3 ECC ja nicht unterstützt
Haswell Xeon ECC ja nicht unterstützt
Skylake Celeron, Pentium, Core i3 nicht unterstützt ECC ja
Skylake Xeon nicht unterstützt ECC ja
Kaby Lake Celeron, Pentium nicht unterstützt ECC ja
Kaby Lake Core i3 nicht unterstützt ECC nein
Kaby Lake Xeon nicht unterstützt ECC ja

Die Boards sind in allen möglichen Größen von Mini-ITX bis ATX verfügbar. Je nach Ihrer CPU kommen dabei verschiedene Möglichkeiten infrage. Die Bauvorschläge für Mini ITX NAS und Micro ATX NAS im Dauerbetrieb zeigen sinnvolle Kombinationen dieser NAS Mainboards und passender NAS CPUs.

Aktuelle Modelle

Consumer Boards als NAS Mainboard

Für ein selbst gebautes NAS, das nicht rund um die Uhr laufen muss, mit dem kein Geld verdient wird oder für das sowieso noch externe Backups bereitstehen, kann es auch ein weniger zuverlässiges Consumer Board ohne ECC RAM Unterstützung sein. Die Vorteile sind die, dass Consumer Mainboards günstiger sind und es deutlich mehr Auswahl gibt.

Unter den Consumer Chipsätzen gibt es in jeder Generation 3 wesentliche Serien:

  • Die Z-Serie (Bsp: Z97, Z170, Z2170)
  • Die Q-Serie (Bsp: Q97, Q170, Q2170)
  • Die H-Serie (Bsp: H97, H170, H2170)

Die Z-Serie hat als besonderes Feature, dass auf einem Mainboard mit diesem Chipsatz CPUs übertaktet werden können (bei Verwendung einer K-CPU). Das geht sonst mit keinem anderen Chipsatz. Die Q-Serie ist für den Einsatz in Büro-PCs gedacht und enthält die entsprechende Managementplattform dafür (Intel vPro). Beide Chipsätze sind nicht ideal für ein NAS.
Für ein NAS bieten sich vor allem die Chipsätze der H-Serie an. Übertaktung spielt in einem NAS keine Rolle und ein Büro-PC ist es auch nicht. Wer ein NAS Mainboard für einen Haswell-Prozessor sucht, greift also zu einem Board mit H97-Chipsatz.
Für CPUs der Skylake und Kaby Lake Generation, nutzt man ein Mainboard mit H270-Chipsatz. Der H170 war der erste Chipsatz, der Skylake unterstützt, aber nicht Kaby Lake. Der H270 ist der neuere und er unterstützt beides. Es lohnt sich also nicht mehr, den alten Chipsatz zu kaufen. Wichtig ist hierbei: Die H170 und H270 Chipsätze unterstützen keine Xeon-Prozessoren! Es muss ein Celeon, Pentium oder Core i-Prozessor eingesetzt werden!

H270 als NAS Mainboard mit Pentium G4560

H270 als NAS Mainboard mit Pentium G4560

Der H270-Chipsatz unterstützt 6 SATA-Ports, was für die meisten selbst gebauten NAS-Systeme ausreichen sollten. Allerdings muss man darauf achten, dass das gewählte Board ebenfalls 6 SATA-Ports nach außen führt. Nur weil es der Chipsatz ermöglicht, heißt das noch nicht, dass es der Board-Hersteller auch umgesetzt hat!

Aktuelle Modelle

Mainboards mit verlöteten CPUs

Für Spezialfälle gibt es neben den genannten Mainboards noch Boards mit aufgelöteter CPU. Diese CPUs sind dann nicht austauschbar und sind meistens Atom- oder Xeon-CPUs. Diese Boards sind vor allem für professionelle Server in Rechenzentren gemacht, lassen sich aber auch in einem normalen Gehäuse verbauen und bieten sogar ECC RAM Unterstützung. Der Nachteil: Sie sind meist nicht besonders günstig. Besonders interessant ist aus dieser Gruppe von Systemen das Asrock Rack C2550D4I: Es bietet irrsinnige 12 (!) SATA-Ports! Trotz den Mini-ITX-Formfaktors, wird man aus Platzgründen wohl kein Mini-ITX-Gehäuse nehmen können, wenn man ernsthaft 12 Festplatten in das System stecken möchte.

Aktuelle Modelle

 

Gefällt Ihnen dieser Artikel? Sagen Sie es weiter!

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Auf der Suche nach einer Beschreibung passender Lösungen für ein NAS bin ich auf diese Home-Page gestoßen.
    Der begrenzte Arbeitsspeicher der Boards stört mich persönlich aber.
    Gibt es Lösungen hinsichtlich der Aufnahme (upto 64 GB RAM; XEON-Haswell und mATX)?

    Antworten

    • Hi!

      Die Boards, die ich hier ausgesucht hatte, sind überwiegend für den Heimgebrauch – und bisher hatte ich soviel Speicher für den Heimgebrauch noch als „overkill“ angesehen. Falls man mehr als 16/32 GByte RAM benötigt, dann kommen eigentlich nur noch die wirklich professionellen Mainboards in Frage. Hier bieten sich dann die Platinen von Supermicro an: UP Xeon Motherboards. Die Teile kosten dann entsprechend viel Geld, nehmen aber bis 512 GByte RAM auf.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte aus Sicherheitsgründen folgende Zahlen eingeben: *